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Call for Papers «conexus»

Tradition und Innovation

Meldung Arbeitstitel: 15. August 2026
Deadline: 31. Januar 2027
Manuskripteinreichung: Prof. Dr. Wolfgang Rother wolfgang.rother@philos.uzh.ch

Peer Review: Die Beiträge werden im Double-blind-Verfahren begutachtet.
Umfang: 20 000–35 000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, inkl. Fussnoten)
Abstract: 1200–1500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) in der Sprache des Beitrags

Publikation: Herbst 2027
https://www.hope.uzh.ch/conexus/

Die Richtlinien sowie ein Template finden Sie hier:
https://www.hope.uzh.ch/conexus/about/submissions

Call for Paper als PDF (PDF, 104 KB)

Tradition gewährleistet die Kontinuität von Vergangenheit und Gegenwart und verbindet die Generationen miteinander. Jede Generation steht, wie Marx formulierte, «auf den Schultern der vorhergehenden». Zugleich ist die kritische Auseinandersetzung mit Traditionen und Überlieferungen ein konstitutives Merkmal der Geistes-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte.

So wandten sich Luther und die Reformatoren gegen die scholastische Tradition und die Autorität der römischen Kirche, um zu den Quellen des christlichen Glaubens zurückzukehren. Descartes’ methodischer Zweifel stellte die Geltung überlieferter Gewissheiten grundsätzlich infrage. Auch Kants Aufforderung, sich aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien, richtete sich gegen die unreflektierte Übernahme von Autoritäten und Traditionen.

Aus dieser Perspektive erscheint Tradition primär als Hemmnis, das durch Kritik und Innovation überwunden werden muss. Doch wie viele Gegensätze ist auch das Verhältnis von Tradition und Innovation nicht dichotomisch, sondern dialektisch zu verstehen.

In dieser Hinsicht ist ein Gedanke Leszekołakowskis besonders aufschlussreich: Zwar «würden wir noch heute in Höhlen leben», wenn die Menschen nicht «unaufhörlich gegen die ererbte Tradition revoltiert» hätten; würde die Revolte gegen die Tradition jedoch universell, «befänden wir uns wieder in den Höhlen». Der Traditionskult führt zur «Stagnation», die permanente «Revolte gegen die Tradition» dagegen zur «Vernichtung». In ähnlicher Weise beschrieb Kurt Lewin sozialen Wandel als Zusammenspiel stabilisierender und verändernder Kräfte, deren Spannung gesellschaftliche Entwicklung überhaupt erst ermöglicht.

Für die Wissenschaften hat Thomas S. Kuhn diese Einsicht programmatisch gefasst: Wissenschaftlicher Fortschritt entsteht aus der «grundlegenden Spannung» zwischen Tradition, Disziplin und Konformität einerseits sowie Originalität und Innovation andererseits. Beide Pole stehen häufig in Konflikt, sind jedoch gleichermassen unverzichtbar: Ohne Tradition fehlt der gemeinsame Referenzrahmen wissenschaftlicher Arbeit; zu viel Tradition führt zur Erstarrung der Wissenschaft und zum Verlust ihrer Fähigkeit zur Erkenntnis.

Die Frage nach dem Verhältnis von Tradition und Innovation gewinnt heute neue Dringlichkeit, da Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Bedingungen wissenschaftlicher Erkenntnis und gesellschaftlicher Kommunikation tiefgreifend verändern.

Forschende aller Disziplinen sind eingeladen, Beiträge einzureichen, die das Spannungsfeld von Tradition und Innovation theoretisch oder anhand konkreter Forschungsfragen untersuchen. Einreichungen können in den Landessprachen sowie auf Englisch erfolgen

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